Ich habe viele Auswanderer kennengelernt, seit ich im Isaan lebe. Manche kamen allein, manche als Paar. Mit der Zeit habe ich gemerkt, wie unterschiedlich diese beiden Wege sind, und wie wenig man das vorher ahnt.
Allein bist du frei und verloren zugleich
Wer allein herzieht, hat alle Freiheit der Welt. Keine Absprachen, keine Kompromisse, kein Rücksichtnehmen. Das klingt großartig, und es ist es manchmal auch. Aber ich habe gesehen, wie schnell aus Freiheit Einsamkeit wird. Wenn niemand da ist, der die Sprache kann, der die Kultur kennt, der einen auffängt, kann das neue Land sehr groß und sehr fremd werden.
Ich bewundere die, die es allein schaffen, ehrlich. Sie müssen alles selbst lernen, von der Bank bis zur Beerdigung der Nachbarin. Sie bauen sich ein Netz aus dem Nichts. Das ist hart, und nicht jeder hält es durch.
Zu zweit teilst du die Last und die Reibung
Mit Dao war mein Weg in vieler Hinsicht leichter. Sie war meine Brücke in die Familie, in die Sprache, in den Alltag. Ich war nie wirklich allein, nicht mal in den schwersten Wochen. Diese Sicherheit kann man nicht hoch genug einschätzen.
Aber Auswandern zu zweit hat auch seinen Preis. Man trägt nicht nur die eigene Anpassung, sondern auch die der Beziehung. Stress mit Behörden, Heimweh, kulturelle Reibung, das alles wirkt sich auf das Paar aus. Wer als Paar herzieht und meint, die Liebe trage von allein, der irrt. Sie muss das neue Leben mit aushalten, und das ist nicht selbstverständlich.
Was ich daraus mitnehme: Es gibt keinen leichteren Weg, nur verschiedene. Allein kämpfst du gegen die Fremde. Zu zweit kämpfst du auch mit dir und dem anderen. Beides verlangt viel. Ich bin froh, dass ich Dao an meiner Seite hatte, aber ich habe Respekt vor jedem, der diesen Schritt allein gegangen ist. Beide brauchen Mut, nur an unterschiedlichen Stellen.

von Michael