Es gibt einen Unterschied zwischen in Thailand zu leben und in Thailand bleiben zu wollen. Lange habe ich das nicht klar gesehen. Erst mit den Jahren ist mir aufgefallen, dass viele Ausländer hier leben, ohne sich wirklich entschieden zu haben, und dass das einen riesigen Unterschied macht.
Das Leben mit dem Hintertürchen
Viele, die ich kenne, leben mit einem Hintertürchen im Kopf. Wenn es nicht klappt, gehen sie zurück. Wenn etwas passiert, gibt es ja noch Deutschland. Das ist nicht falsch, ein Plan B ist klug. Aber wer immer mit einem Fuß auf dem Rückweg steht, kommt nie ganz an. Man richtet sich nicht voll ein, man knüpft keine tiefen Bindungen, man bleibt im Kern Gast.
Ich war am Anfang auch so. Ich lebte hier, aber ein Teil von mir hielt sich offen. Das Haus war gemietet, die Pläne vorläufig, das Gefühl unverbindlich. Und genau dieses Unverbindliche hat verhindert, dass ich wirklich Wurzeln schlage.
Der innere Schritt vom Leben zum Bleiben
Irgendwann kam der Punkt, an dem Dao und ich uns bewusst entschieden haben: Wir bleiben. Nicht auf Probe, nicht mit Hintertürchen, sondern wirklich. Dieser innere Schritt hat mehr verändert als jeder Umzug. Plötzlich investierte ich anders, in Beziehungen, in das Haus, in die Sprache, in das Leben hier.
Bleiben zu wollen heißt, sich verletzlich zu machen. Man bindet sich, man legt die Sicherheit des Rückwegs zur Seite, man setzt auf diesen Ort. Das ist ein Risiko. Aber erst dadurch wurde aus einem langen Aufenthalt ein echtes Leben.
Ich glaube, das ist die wichtigste Entscheidung, die man treffen kann, wenn man auswandert, und sie passiert nicht am Flughafen, sondern irgendwann später, leise, im Kopf und im Herzen. In Thailand zu leben kann jeder, der ein Visum und etwas Geld hat. In Thailand bleiben zu wollen, mit allem, was dazugehört, ist eine andere Sache. Wer diesen Schritt geht, lebt nicht nur hier. Er gehört hierher.

von Michael