Wer als Rentner nach Thailand auswandert, denkt meistens zuerst ans Visum und ans Budget. Was die meisten dabei vergessen: Rente, Pflege und Erbschaft sind Themen, die man lieber in ruhigen Fahrwassern klärt als im Ernstfall. Nach acht Jahren in Thailand haben wir gesehen, wie viel leichter alles läuft, wenn man diese Punkte frühzeitig angeht.
Was passiert mit deiner deutschen Rente im Ausland?
Die gute Nachricht zuerst: Deine gesetzliche deutsche Rente wird dir auch ins Ausland überwiesen. Die Deutsche Rentenversicherung zahlt grundsätzlich weltweit aus. Du kannst dir die Rente auf dein deutsches Konto schicken lassen und das Geld dann von dort nach Thailand transferieren, oder du beantragst eine direkte Auslandsüberweisung. Praktisch ist es oft einfacher, ein deutsches Konto zu behalten und von dort per Wise oder SWIFT nach Thailand zu überweisen.
Melde deinen Auslandsaufenthalt der Deutschen Rentenversicherung. Das ist Pflicht, und du bekommst in der Regel einmal jährlich einen Lebensnachweis zugeschickt, den du ausgefüllt zurücksenden musst. Verpasst du das, kann die Rentenzahlung eingestellt werden, was unangenehm ist, sich aber in der Regel klären lässt.
Steuern auf die Rente: das Doppelbesteuerungsabkommen
Hier wird es komplex. Deutschland und Thailand haben ein Doppelbesteuerungsabkommen (DBA). Je nach Art deiner Rente liegt das Besteuerungsrecht unterschiedlich:
- Gesetzliche Rente: Hier hat in der Regel Deutschland das Besteuerungsrecht. Du zahlst weiter in Deutschland Steuern, auch wenn du in Thailand lebst.
- Betriebsrenten aus privater Quelle: hier kann Thailand das Besteuerungsrecht haben.
- Beamtenpensionen: grundsätzlich Deutschland.
- Kapitalerträge, Dividenden, Mieteinnahmen: je nach Einkommensart, teils geteilt, teils eindeutig einer Seite zugeordnet.
Seit dem 1. Januar 2024 gilt außerdem: Ausländisches Einkommen, das ein Steuerresident in Thailand einführt, ist in Thailand grundsätzlich steuerpflichtig, progressiv zwischen 5 und 35 Prozent. Wer 180 Tage oder mehr im Jahr in Thailand lebt, gilt als Steuerresident. Das DBA verhindert echte Doppelbesteuerung, aber es schützt nicht vor Steuerpflicht an sich. Was das konkret für deine Einkommensquellen bedeutet, sollte ein Steuerberater mit internationaler Expertise klären, bevor du umziehst.
Pflegeversicherung: eine Lücke, die du kennen musst
Die deutsche gesetzliche Pflegeversicherung zahlt im Ausland grundsätzlich nicht. Das ist ein wichtiger Punkt, den viele verdrängen: Wer pflegebedürftig wird und in Thailand lebt, bekommt keine deutschen Pflegeleistungen. Privatpflege in Thailand gibt es, und sie ist im Vergleich zu Deutschland oft deutlich günstiger. Aber sie muss selbst finanziert werden.
Plane daher ein finanzielles Polster für den Pflegefall ein. Eine private Pflegezusatzversicherung, die im Ausland gilt, kann sinnvoll sein, ist aber nicht immer einfach zu bekommen, wenn man schon älter ist oder Vorerkrankungen hat. Das ist ein Thema für einen unabhängigen Versicherungsberater.
Wer ernsthaft krank oder pflegebedürftig wird, stellt sich oft die Frage: zurück nach Deutschland oder vor Ort in Thailand behandeln? Gute Privatkliniken in den großen Städten haben exzellente Qualität, manchmal sogar besser als manches regionale Krankenhaus in Deutschland. Aber für spezialisierte Eingriffe oder Langzeitpflege kann Deutschland die bessere Wahl sein.
Erbschaft und Testament: jetzt regeln, nicht später
Testament in Deutschland, Testament in Thailand, oder keines von beiden? Diese Frage ist wichtiger, als die meisten Auswanderer denken. Wer Vermögen in beiden Ländern hat, also zum Beispiel ein deutsches Konto, vielleicht ein Condo in Thailand, braucht klare Regelungen.
In Deutschland gilt das Erbrecht am letzten Wohnsitz oder, je nach EU-Erbrechtsverordnung, am gewöhnlichen Aufenthaltsort. Da Thailand kein EU-Mitglied ist und eigene Erbrechtsregeln hat, kann es bei internationalem Vermögen kompliziert werden. Ein in Deutschland errichtetes notarielles Testament, das auch das Thailand-Vermögen regelt, ist ein guter Anfang. Ob es für das Condo in Thailand automatisch gilt, hängt von den Thai-Gesetzen und dem Kaufvertrag ab.
Wichtige Punkte vorab klären:
- Wer erbt dein Thai-Bankkonto und wie kommt die Person dran?
- Ist dein Condo (falls du eines besitzt) als Freehold eingetragen, und wer kann es erben?
- Hast du eine Vollmacht geregelt für den Fall, dass du handlungsunfähig wirst?
- Ist dein Testament aktuell und berücksichtigt es das Auslandsvermögen?
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Vorsorgevollmacht und Patientenverfügung
Diese beiden Dokumente werden im Auslandskontext oft völlig vergessen. Eine deutsche Vorsorgevollmacht, die im Ausland anerkannt wird, ist nicht selbstverständlich. In Thailand gibt es ähnliche Regelungen, aber das System funktioniert anders. Wenn du handlungsunfähig wirst, muss jemand für dich handeln können, sowohl in Deutschland (zum Beispiel für dein Konto oder deine Immobilien dort) als auch in Thailand.
Lass eine Vorsorgevollmacht notariell beurkunden, möglichst mit explizitem Hinweis auf grenzüberschreitende Gültigkeit. Eine aktualisierte Patientenverfügung ist ebenfalls sinnvoll, damit deine Wünsche zur medizinischen Behandlung festgehalten sind.
Unser Fazit: Vorbereitung ist kein Pessimismus
Rente, Pflege, Erbschaft und Testament klingen nach düsteren Themen, aber das Gegenteil ist wahr: Wer das geregelt hat, kann das Leben in Thailand entspannt genießen. Du weißt, dass deine Rente ankommt, du verstehst deine Steuerpflicht, du hast Vollmachten und ein Testament. Das ist keine Schwarzmalerei, das ist Freiheit.
Hinweis: Dieser Beitrag ist sorgfältig recherchierte Orientierung, keine Rechts-, Steuer- oder Versicherungsberatung. Visa-, Steuer- und Einreiseregeln ändern sich in Thailand laufend. Maßgeblich sind immer die offiziellen Vorgaben der zuständigen Behörden. Bei rechtlichen oder steuerlichen Fragen hol dir bitte fachkundige Beratung.
Eine belastbare Absicherung gehört zu den wichtigsten Grundlagen, wenn du dein Auswandern nach Thailand langfristig planst. Lies dazu auch, den Fahrplan, um als Rentner nach Thailand auszuwandern und wie du einen Notfallplan aufstellst.
