Songkran kannte ich vorher nur als Bild: lachende Menschen, Wasserpistolen, eine riesige Schlacht auf den Straßen. Mein erstes Songkran als Bewohner von Udon Thani war anders, als ich erwartet hatte, und es hat mir viel über Thailand gezeigt.
Mehr als eine Wasserschlacht
Was im Ausland oft nur als feuchte Party ankommt, ist im Kern ein Familien- und Respektfest. Bevor das Wasser fliegt, geht es um anderes. Man besucht die Älteren, gießt ihnen sanft Wasser über die Hände, bittet um Segen. Es ist ein Moment der Ehrerbietung, ruhig und würdevoll, weit weg vom lauten Spektakel.
Mit Daos Familie habe ich diese ruhige Seite zuerst erlebt. Ich war unsicher, was ich tun soll, wie ich mich verhalte, aber man hat mich geduldig mitgenommen. In diesem Moment war ich nicht der fremde Deutsche, sondern Teil der Familie, der mitmacht, so gut er kann.
Dann kam das Wasser
Später, draußen, kam dann das, was alle erwarten. Wasser von überall, aus Eimern, Schläuchen, Pistolen. Niemand bleibt trocken, niemand ist sauer, alle lachen. Die übliche thailändische Zurückhaltung löst sich für ein paar Tage auf, und plötzlich ist eine Ausgelassenheit da, die ich so nicht kannte.
Ich, der Deutsche, der sonst eher beobachtet, war auf einmal mittendrin, klatschnass, lachend, völlig albern. Es war befreiend. Songkran erlaubt eine Leichtigkeit, die im Alltag selten ist, und gerade weil der Alltag sonst so geregelt ist, fühlt sich dieses Loslassen besonders gut an.
Mein erstes Songkran hat mir gezeigt, wie sehr in Thailand Tiefe und Lebensfreude zusammengehören. Erst der Respekt vor den Älteren, dann die wilde Freude auf der Straße. Beides gehört zusammen, und beides ist echt. Seitdem ist Songkran für mich nicht mehr nur eine Wasserschlacht aus Reiseberichten, sondern ein Fest, an dem ich jedes Jahr ein Stück mehr dazugehöre.

von Michael