Wenn Leute hören, dass wir in Thailand leben, kommt fast immer der Satz, dass es da ja so billig sei. Das stimmt und stimmt nicht. Unser Leben in Udon Thani ist günstiger als in Berlin, ohne Frage. Aber billig ist das falsche Wort, weil es etwas anderes meint.
Günstig heißt nicht arm
Billig klingt nach Verzicht, nach Abstrichen, nach schlechterer Qualität. So fühlt sich unser Leben überhaupt nicht an. Wir wohnen schön, wir essen gut, wir haben alles, was wir brauchen, und müssen uns dabei deutlich weniger Sorgen ums Geld machen als die meisten Bekannten in Deutschland. Das ist nicht billig, das ist günstig, und das ist ein großer Unterschied.
Frisches Gemüse vom Markt, gekocht von Dao, ist nicht nur preiswert, sondern besser als das meiste, was ich in Berlin im Restaurant bekommen habe. Ein Mittagessen für ein paar Baht kann großartig sein. Hier spart man nicht an Lebensqualität, man zahlt nur weniger dafür.
Wo es eben doch teuer wird
Gleichzeitig wäre es eine Lüge zu sagen, alles sei spottbillig. Wer ein westliches Leben eins zu eins will, importierte Produkte, internationale Schulen, Privatkrankenhäuser der oberen Klasse, der zahlt auch hier ordentlich. Manche Dinge sind sogar teurer als in Deutschland, weil sie eingeführt werden müssen.
Die Kunst liegt darin, thailändisch zu leben, nicht ein deutsches Leben nach Thailand zu verpflanzen. Wer auf dem Markt einkauft, lokal isst und sich aufs Land einlässt, lebt für wenig sehr gut. Wer alles so haben will wie zu Hause, der wird sich wundern, wie schnell die Ersparnis weg ist.
Für Dao und mich heißt günstig vor allem Freiheit. Wir müssen nicht jeden Monat um jeden Euro kämpfen. Wir haben Zeit, weil wir nicht so viel verdienen müssen. Das ist der eigentliche Wert. Nicht dass alles billig ist, sondern dass ein gutes Leben hier weniger kostet und uns dadurch mehr von dem schenkt, was wirklich zählt.

von Michael