Einsamkeit war ein Thema, mit dem ich nicht gerechnet hatte, als ich nach Thailand zog. Ich war als Paar gekommen, in eine große Familie hinein, mitten in eine lebendige Gemeinschaft. Trotzdem habe ich Einsamkeit kennengelernt, nur eben in einer Form, die ich aus Deutschland nicht kannte.
Umgeben von Menschen und doch fremd
In Berlin war Einsamkeit für mich das Fehlen von Menschen. Im Isaan kann man von vielen Menschen umgeben sein und sich trotzdem einsam fühlen, weil eine andere Mauer dazwischensteht: die Sprache, die Kultur, das Anderssein. Wenn alle um dich herum lachen über etwas, das du nicht verstehst, bist du mitten in der Menge allein.
Das hat mich am Anfang mehr getroffen, als ich erwartet hatte. Ich hatte gedacht, in einer warmen, offenen Kultur sei Einsamkeit kein Thema. Aber gerade die Nähe machte das Fremdsein manchmal deutlicher. Ich gehörte dazu und doch nicht ganz.
Wie ich damit umgehen gelernt habe
Zwei Dinge haben geholfen. Erstens, geduldig an der Sprache und der Kultur zu arbeiten, Stück für Stück, ohne den Anspruch, schnell anzukommen. Mit jedem Wort mehr, mit jeder verstandenen Geste schrumpfte die Mauer ein bisschen.
Zweitens, ehrlich mit Dao darüber zu reden. Sie konnte nicht jede Lücke füllen, aber sie konnte mich verstehen, und das allein nahm der Einsamkeit ihre Schärfe. Außerdem habe ich Kontakt zu ein paar anderen Ausländern gesucht, nicht um in einer Blase zu leben, sondern um manchmal jemanden zu haben, der dasselbe fühlt.
Heute ist diese Einsamkeit selten geworden. Ich gehöre dazu, mehr und mehr. Aber ich nehme das Thema ernst, weil ich weiß, wie sehr es Menschen zusetzt, die herziehen und damit nicht rechnen. Einsamkeit in Thailand ist kein Zeichen von Versagen. Sie ist ein normaler Teil des Ankommens, nur leiser und tückischer als das, was wir in Deutschland darunter verstehen.

von Michael