Ich mache im Grunde denselben Job wie früher. Ich schreibe Code, ich löse Probleme, ich sitze am Rechner. Und trotzdem arbeite ich heute völlig anders als in meinen Berliner Jahren, nicht wegen der Technik, sondern wegen allem drumherum.
Der Tag hat eine andere Form
In Berlin war mein Tag von Terminen zerschnitten. Meetings, Absprachen, der ständige Strom an Unterbrechungen. In Udon Thani ist mein Tag ruhiger und klarer. Ich arbeite früh, wenn es noch kühl ist, mache in der heißesten Zeit eine lange Pause und setze mich später wieder hin. Mein Rhythmus richtet sich nach dem Wetter und nicht nach dem Kalender.
Das hat meine Arbeit verändert. Ich habe lange, ungestörte Blöcke, in denen ich wirklich denken kann. Tiefe Arbeit, ohne dass alle zehn Minuten jemand etwas will. Ich bin produktiver in weniger Stunden, weil diese Stunden konzentrierter sind.
Weniger Status, mehr Substanz
In Berlin ging es oft auch um Sichtbarkeit. Wer ist im richtigen Meeting, wer sagt das clevere Wort, wer wird gesehen. Aus der Distanz, aus dem Isaan heraus, fällt dieser ganze Statuskram weg. Mich beurteilt niemand danach, wie beschäftigt ich wirke. Es zählt, was am Ende funktioniert.
Das hat mir den Druck genommen, ständig zu performen. Ich muss nicht beweisen, dass ich fleißig bin. Ich liefere Ergebnisse, und das genügt. Diese Klarheit habe ich in keinem Berliner Büro so erlebt.
Die Grenze zwischen Arbeit und Leben
Gleichzeitig musste ich lernen, eine Grenze zu ziehen. Wenn das Büro zu Hause ist und die Kunden in einer anderen Zeitzone sitzen, verschwimmt schnell alles. Anfangs habe ich abends und nachts gearbeitet, weil Europa wach war. Heute habe ich feste Zeiten, sonst frisst die Arbeit das Leben auf, für das ich überhaupt erst hergezogen bin.
Unterm Strich arbeite ich heute bewusster. Nicht weniger ernsthaft, aber gelassener und auf das Wesentliche reduziert. Thailand hat mir nicht beigebracht, weniger zu arbeiten, sondern besser zwischen Arbeit und allem anderen zu unterscheiden. Und genau das hätte ich in Berlin wohl nie gelernt.

von Michael