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Warum ich die Geräuschkulisse des Isaan heute mehr vermisse als Berlin

Warum ich die Geräuschkulisse des Isaan heute mehr vermisse als Berlin

Wenn ich an Heimweh denke, erwarte ich, dass mir Berlin fehlt. Tatsächlich passiert mir oft das Gegenteil. Wenn ich in Deutschland bin, vermisse ich nicht die Stadt, in der ich aufgewachsen bin, sondern die Geräuschkulisse des Isaan.

Das klingt seltsam, ich weiß. Aber Geräusche sind tiefer mit Heimat verbunden, als man denkt. Und die meinen haben sich in den letzten Jahren komplett ausgetauscht.

Die Klänge, an die ich mich gewöhnt habe

Mein Morgen im Isaan hat einen festen Soundtrack. Der Hahn, natürlich. Die Hunde, die kurz bellen und wieder schlafen. Die Durchsage vom Dorflautsprecher, die ich noch immer nur zur Hälfte verstehe. Später das Klappern aus Daos Küche, der Mörser, in dem sie Som Tam stampft, ein Geräusch, das für mich inzwischen Zuhause bedeutet. Abends die Frösche, die Grillen, ein Moped, das vorbeifährt.

Nichts davon ist spektakulär. Es ist die Tonspur eines ganz normalen Tages. Aber genau deshalb hat sie sich so tief eingegraben. Ich habe sie tausendmal gehört, ohne hinzuhören, und gerade das macht sie zu Heimat.

Berliner Stille fühlt sich falsch an

In Berlin schlafe ich in Wohnungen, die schallisoliert sind, mit Doppelglas, das die Straße aussperrt. Es ist ruhig, fast zu ruhig. Diese Stille hat nichts Vertrautes. Sie ist leer, wo im Isaan Leben wäre. Ich liege wach und merke, dass mir der Hahn fehlt, die Frösche, sogar der Lautsprecher, den ich früher nervig fand.

Das ist der Moment, in dem ich begreife, wie weit ich gegangen bin. Heimat ist nicht der Ort, an dem man geboren wurde, sondern der, dessen Geräusche einen einschlafen lassen. Für mich sind das nicht mehr die Straßenbahn und der Stadtverkehr, sondern die Tiere, die Küche, das Dorf.

Wenn ich nach einer Reise wieder lande und in der Nacht das erste Mal die Grillen höre, durch das Fenster, über dem der Ventilator surrt, dann weiß ich, dass ich angekommen bin. Nicht der Anblick sagt es mir, sondern der Klang. Und diesen Klang würde ich gegen keine Berliner Stille der Welt eintauschen.

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