Als ich nach Thailand zog, war ich überzeugt, dass ich die Sprache in ein, zwei Jahren ordentlich draufhaben würde. Ich bin lernfähig, dachte ich, und wenn man mittendrin lebt, geht das schon. Heute, viele Jahre später, muss ich kleinlaut zugeben: Mein Thai ist deutlich schlechter, als ich es mir vorgenommen hatte.
Eine Sprache, die ganz anders tickt
Thai ist eine Tonsprache, und das ist für ein deutsches Ohr eine echte Hürde. Dasselbe Wort kann je nach Tonhöhe völlig Verschiedenes bedeuten. Was ich für richtig hielt, war oft daneben, einfach weil ich den Ton nicht traf. Im Isaan kommt dazu noch der Dialekt, der vieles nochmal anders macht.
Ich kann mich im Alltag verständigen, einkaufen, mich durchfragen, das Nötigste. Aber ein echtes Gespräch über Gefühle, über Politik, über das, was unter der Oberfläche liegt, das gelingt mir bis heute nicht so, wie ich es gern hätte. Und das wurmt mich.
Warum es so schwer bleibt
Ein Teil der Wahrheit ist unbequem: Ich habe es mir zu leicht gemacht. Dao spricht gut Englisch, in der Familie wird vermittelt, im Alltag komme ich auch ohne perfektes Thai durch. Diese Bequemlichkeit hat meinen Fortschritt gebremst. Wer eine Krücke hat, lernt langsamer laufen.
Dazu kommt das Alter. Sprachen lernen wird nicht leichter, je älter man wird, und ich bin kein junger Student mehr, der den ganzen Tag büffelt. Zwischen Arbeit, Alltag und Familie bleibt das Lernen oft liegen, und dann wundert man sich, dass es nicht vorangeht.
Ich habe Frieden damit geschlossen, ohne aufzugeben. Ich werde nie fließend wie ein Einheimischer sein, das ist mir klar. Aber jedes neue Wort, jeder verstandene Satz mehr ist ein kleiner Gewinn, und die Leute hier honorieren jeden Versuch. Mein schlechtes Thai ist eine ständige Übung in Demut. Es erinnert mich daran, dass ich Gast bleibe, auch nach all den Jahren, und dass Ankommen nie ganz fertig ist.

von Michael