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Warum wir 2018 nicht nach Bangkok oder Chiang Mai gezogen sind

Warum wir 2018 nicht nach Bangkok oder Chiang Mai gezogen sind

Wenn ich erzähle, dass wir im Isaan leben, kommt fast immer dieselbe Frage: Warum nicht Bangkok? Oder wenigstens Chiang Mai, da gibt es doch die ganzen Ausländer, Cafés, schnelles Internet, alles. Die Frage ist berechtigt, und die Antwort ist einfacher, als die meisten denken.

Daos Familie lebt hier. Nicht in der Nähe, sondern hier, ein paar Kilometer außerhalb von Udon Thani, in einem Dorf, in dem man sich kennt. Für Dao war nie die Frage, ob wir in ihre Heimat ziehen, sondern wann. Und je länger ich darüber nachdachte, desto klarer wurde, dass das auch für mich die bessere Entscheidung war.

Bangkok hätte mich aufgefressen

Ich habe Berlin verlassen, weil mir der Dauerlärm zu viel wurde. In Bangkok hätte ich denselben Lärm gegen tropische Hitze getauscht, plus Stau, plus Smog. Eine großartige Stadt zum Besuchen, keine Frage. Aber ich wollte nicht auswandern, um danach wieder im Stau zu stehen und Miete für dreißig Quadratmeter zu zahlen.

Chiang Mai war näher dran an dem, was ich mir vorstellte. Berge, Cafés, eine große Community. Genau das war am Ende auch der Punkt. Ich wollte nicht in eine deutsche Blase mit Pad Thai ziehen. Ich wollte in Thailand leben, nicht in einer Ausländer-Version davon.

Der Isaan ist nicht für Postkarten gemacht

Udon Thani verkauft sich nicht. Es gibt keinen berühmten Strand, keine Instagram-Wasserfälle um die Ecke. Was es gibt, ist echtes Leben. Reisfelder, die ihre Farbe mit der Jahreszeit wechseln, Märkte, auf denen ich der einzige Ausländer bin, und eine Ruhe, die ich in Deutschland verlernt hatte.

Die Kosten waren ein weiterer Faktor, ehrlich gesagt. Hier reicht unser Budget deutlich weiter als es das in Bangkok oder auf Phuket je täte. Aber das war nie der Hauptgrund. Geld hätte uns auch woanders gereicht.

Der Hauptgrund war Zugehörigkeit. In Udon habe ich eine Familie geheiratet, nicht nur eine Frau. Daos Eltern, ihre Geschwister, die Nachbarn, das alles wurde Teil meines Alltags. In Bangkok wäre ich ein Fremder mit gutem WLAN geblieben. Hier bin ich der Mann von Dao, der komische Deutsche, der zu scharf isst und zu langsam Thai lernt. Das ist mir tausendmal lieber.

Manchmal frage ich mich, ob ich in einer großen Stadt produktiver wäre oder mehr Gleichgesinnte hätte. Vielleicht. Aber ich hätte nicht das, was den Isaan für uns ausmacht: das Gefühl, angekommen zu sein, nicht nur untergekommen.

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