Man denkt bei einem Visum an Bürokratie, an Stempel, an Fristen. Was ich nicht erwartet hatte: wie sehr so ein Stück Papier das Gefühl von Zuhause beeinflusst. Das Visum ist nicht nur ein Verwaltungsakt. Es ist eine ständige Erinnerung daran, dass mein Bleiben an Bedingungen hängt.
Zuhause auf Zeit
Ein Einheimischer ist einfach da. Er muss sein Dasein nicht jährlich beantragen. Ich schon. Mein Recht, hier zu leben, ist befristet, an Nachweise gebunden, an Regeln, die sich ändern können. So sehr Udon Thani mein Zuhause geworden ist, dieses Wissen schwingt im Hintergrund immer mit.
Am Anfang hat mich das beunruhigt. Es fühlte sich an, als stünde ich auf weniger festem Boden als die Menschen um mich herum. Ein Zuhause, das man verlängern muss, fühlt sich anders an als eines, das selbstverständlich ist. Diese Unsicherheit war neu für mich, und sie hat eine Weile gebraucht, um sich zu legen.
Wie ich Frieden damit gefunden habe
Mit der Zeit habe ich gelernt, das Visum als das zu sehen, was es ist: eine Aufgabe, die zu meinem Leben gehört, nicht mehr und nicht weniger. Wenn ich meine Sachen rechtzeitig regle, die Fristen einhalte, die Nachweise sauber führe, dann ist es kein Drama, sondern Routine.
Und ich habe verstanden, dass sich Zuhause nicht an einem Stempel festmacht. Mein Zuhause ist nicht das Visum. Mein Zuhause ist Dao, ihre Familie, unser Haus, der Markt, an dem man mich kennt, die Geräusche am Morgen. Das alles bleibt, ob das Papier nun jährlich erneuert werden muss oder nicht.
Trotzdem nehme ich das Visum ernst, gerade weil es die Grundlage für all das ist. Es erinnert mich daran, nichts als selbstverständlich zu nehmen. Vielleicht ist das sogar gesund. Wer sein Zuhause regelmäßig bestätigen muss, vergisst nie ganz, wie wertvoll es ist. Mein Bleiben ist kein Recht, das mir von Geburt zusteht. Es ist eine Entscheidung, die ich jedes Jahr aufs Neue treffe und bestätige, und vielleicht macht das mein Zuhause sogar bewusster.

von Michael