Die Isaan-Küche und ich, das war keine Liebe auf den ersten Bissen. Am Anfang war sie mir oft zu scharf, zu fremd, zu intensiv. Erst nach Jahren habe ich verstanden, was diese Küche eigentlich ausmacht, und heute ist sie eine der Sachen, die ich am Isaan am meisten liebe.
Es geht nicht nur um Schärfe
Mein erster Fehler war zu denken, hier sei alles einfach scharf. Tatsächlich geht es um ein Gleichgewicht aus scharf, sauer, salzig, bitter und manchmal süß, oft alles in einem Gericht. Som Tam, der grüne Papayasalat, ist dafür das beste Beispiel. Wer ihn nur als scharf abtut, hat das ganze Spiel der Aromen nicht geschmeckt.
Dann sind da die fermentierten Zutaten, die mich anfangs abgeschreckt haben. Der Geruch, der Geschmack, das war hart für einen deutschen Gaumen. Heute weiß ich, dass genau diese fermentierten Noten der Küche ihre Tiefe geben. Was mir früher zu viel war, fehlt mir heute, wenn es nicht da ist.
Essen, das aus dem Land kommt
Was ich am meisten unterschätzt hatte, ist, wie sehr diese Küche mit dem Land verbunden ist. Vieles ist einfach, weil der Isaan lange arm war. Man kocht mit dem, was da ist, mit Kräutern vom Wegrand, mit Klebreis, mit dem, was Fluss und Feld hergeben. Das ist keine Küche der teuren Zutaten, sondern eine der Erfindungsgabe.
Dao hat mir diese Welt geöffnet, Gericht für Gericht. Sie hat mir erklärt, warum man was wie isst, mit den Fingern, mit Klebreis als Werkzeug, gemeinsam vom Tisch. Erst durch sie wurde aus fremdem Essen vertraute Heimat.
Heute koche ich manche Sachen selbst, ungelenk, aber mit Stolz. Und wenn ich in Deutschland bin, ist es nicht das Brot, das ich nach ein paar Tagen am meisten vermisse, sondern ein ordentlicher Som Tam, scharf, sauer, frisch, gestampft im Mörser. Die Isaan-Küche hat länger gebraucht, um mein Herz zu erobern, aber jetzt lässt sie es nicht mehr los.

von Michael