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Was ich an Udon Thani zuerst völlig falsch eingeschätzt habe

Was ich an Udon Thani zuerst völlig falsch eingeschätzt habe

Bevor wir herzogen, hatte ich mir ein Bild von Udon Thani gemacht, das überraschend falsch war. Ich dachte, ich wüsste, worauf ich mich einlasse. Heute muss ich darüber lächeln, weil fast jede meiner Annahmen daneben lag.

Ich dachte, es wird langweilig

Meine größte Sorge war Langeweile. Eine Provinzstadt im Nordosten, keine Strandbars, keine Szene, was soll man da den ganzen Tag machen, dachte ich. In Wahrheit ist mein Alltag voller als in Berlin, nur anders. Hier passiert das Leben nicht in Events, sondern im Kleinen. Ein Familienessen, ein Tempelfest, der Abendmarkt, ein spontaner Besuch bei Daos Tante. Es gibt selten nichts zu tun.

Ich dachte, ich wäre der einzige Ausländer

Auch falsch. Udon hat eine überraschend große Ausländer-Gemeinschaft, gewachsen über Jahrzehnte, viele davon hier wegen einer thailändischen Frau, so wie ich. Es gibt deutsche Stammtische, österreichische Bäckereien, eine ganze Infrastruktur, die man nicht erwartet. Ich nutze davon wenig, aber es ist da, wenn man es braucht.

Ich dachte, das Essen wäre nur scharf

Die Isaan-Küche habe ich komplett unterschätzt. Ich rechnete mit scharf und fertig. Tatsächlich ist sie eine der spannendsten Küchen, die ich kenne. Fermentiert, sauer, bitter, scharf, alles auf einmal, oft mit Zutaten, die ich in Deutschland nie gesehen hatte. Es hat Jahre gedauert, bis ich sie wirklich verstanden habe, und ich lerne immer noch dazu.

Was ich dagegen überschätzt hatte, war die Sprachbarriere. Ich dachte, ohne fließendes Thai bin ich aufgeschmissen. Stimmt nicht ganz. Mit Händen, Füßen, einem Lächeln und ein paar Brocken kommt man weiter, als man denkt. Die Leute hier sind geduldig mit jemandem, der sich Mühe gibt.

Die ehrlichste Lektion war diese: Man kann sich ein Leben nicht vorab ausmalen. Ich hatte mir Udon Thani zurechtgelegt wie ein Projekt mit klaren Parametern. Das Leben hat sich nicht daran gehalten. Es war an manchen Stellen schwerer, an vielen aber leichter und schöner, als ich es mir vorgestellt hatte. Wer herzieht und denkt, er wisse schon, was kommt, wird sich wundern. Im besten Fall positiv.

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