Nach Jahren im Isaan kann ich ziemlich klar sagen, was mir aus Deutschland fehlt und was nicht. Anfangs war das diffuser, ein allgemeines Heimweh. Heute ist es konkret geworden, und die Liste überrascht mich selbst manchmal.
Was ich wirklich vermisse
An erster Stelle die Menschen. Meine alten Freunde, die mich seit der Jugend kennen, mit denen man ohne Erklärung reden kann. Das ist durch nichts zu ersetzen, auch nicht durch die Wärme von Daos Familie. Es ist eine andere Art von Verbundenheit.
Dann ein paar erstaunlich banale Dinge. Richtiges Brot, dunkel und kräftig. Ein kühler Herbsttag mit klarer Luft. Die Verlässlichkeit, dass Dinge funktionieren, dass ein Termin ein Termin ist, dass man sich auf Abläufe verlassen kann. Und Ärzte, mit denen ich in meiner Muttersprache über Gesundheit reden kann, ohne dass etwas verloren geht.
Was ich kein bisschen vermisse
Und dann ist da die andere Liste, die mit den Jahren länger geworden ist. Ich vermisse das Tempo nicht, die ständige Hetze, die schlechte Laune im Verkehr. Ich vermisse die graue Schwere der Wintermonate nicht, in denen das Licht ausbleibt und die Stimmung gleich mit.
Ich vermisse auch das Klagen nicht, diese verbreitete Unzufriedenheit trotz allen Wohlstands. Im Isaan haben die Leute weniger und beschweren sich seltener, und das hat etwas mit mir gemacht. Und ehrlich gesagt vermisse ich auch den Druck nicht, ständig etwas darstellen zu müssen, beruflich, sozial, in jeder Hinsicht.
Was diese beiden Listen mir zeigen, ist einfach: Es geht nicht darum, dass das eine Land besser ist als das andere. Beide haben ihr Gutes und ihr Schweres. Ich habe nur gemerkt, dass das, was mir wirklich fehlt, fast immer mit Menschen zu tun hat, und das, was ich nicht vermisse, fast immer mit einer Lebensart, die ich bewusst hinter mir gelassen habe. Genau deshalb bin ich hier und nicht dort.

von Michael